Besuch von Weihbischof Ludger Schepers an der Karl-Ziegler-Schule
Im Rahmen der Visitation der Gemeinde St. Marien Geburt in Mülheim besuchte Weihbischof Ludger Schepers die Karl-Ziegler-Schule. Nach der Begrüßung durch unsere Schulleiterin Frau Gibbels und den Fachvorsitzenden für Katholische Religion, Herrn Mengede, kam der Weihbischof zunächst mit den evangelischen und katholischen Religionslehrerinnen und -lehrern unserer Schule ins Gespräch.
Im Mittelpunkt des Austauschs stand die Bedeutung des Religionsunterrichts an unserer Schule. Dabei wurde deutlich, dass sich das Wahlverhalten der Schülerinnen und Schüler im Laufe der Schulzeit verändert: Während beim Übergang von der Grundschule in die Jahrgangsstufe 5 die Kursstärken zunächst oft abnehmen, entscheiden sich später wieder viele Jugendliche bewusst dafür, das Fach Religion zu belegen. Darunter sind nicht nur katholische oder evangelische Schülerinnen und Schüler, sondern auch Jugendliche ohne Religionszugehörigkeit sowie muslimische Schülerinnen und Schüler. Viele von ihnen interessieren sich für religiöse Fragen und möchten mehr über den christlichen Glauben, aber auch über andere religiöse und weltanschauliche Perspektiven erfahren.
Der Religionsunterricht an der Karl-Ziegler-Schule versteht sich dabei als offenes Forum für unterschiedliche Glaubensvorstellungen und Weltbilder. Er greift grundlegende Fragen nach Sinn, Verantwortung und Zusammenleben auf und thematisiert Werte wie Freiheit, Frieden und Gerechtigkeit. Gleichzeitig werden auch kritische Perspektiven auf Religion aufgegriffen und mögliche Gefahren reflektiert.
Im Anschluss führte Herr Mengede den Weihbischof durch die Schule. Dabei besuchte er unter anderem unser Selbstlernzentrum, das Café Ziegler sowie die Betreuungsräume, in denen Mitarbeitende der Caritas tätig sind. Diese Angebote stießen bei ihm auf großes Interesse – Einrichtungen dieser Art, so bemerkte er, habe es zu seiner eigenen Schulzeit noch nicht gegeben.
Besonders beeindruckt zeigte sich Weihbischof Schepers auch vom Engagement unserer Schülervertretung. Die Schülerin Lea berichtete davon, wie Schülerinnen und Schüler täglich die kostenlose Essensausgabe mit Brötchen und Obst der Tafel organisieren. Gemeinsam sorgen sie dafür, dass Jugendliche, die ohne Frühstück oder Pausenbrot zur Schule kommen, eine Unterstützung erhalten.
Den Abschluss des Besuchs bildete die Teilnahme von Weihbischof Schepers am Unterricht eines katholischen Religionskurses der Jahrgangsstufe 11. Die Unterrichtsreihe trägt den Titel „Anthropologie – Was ist der Mensch?“. In diesem Zusammenhang beschäftigte sich der Kurs auch mit Fragen rund um Identität und Vielfalt, unter anderem mit dem Thema queerer Menschen. Daher entwickelte sich rasch eine intensive und offene Diskussion mit dem Weihbischof.
Bereits in der Vorstellungsrunde wurde deutlich, dass der Kurs religiös sehr vielfältig zusammengesetzt ist: Neben katholisch sozialisierten Schülerinnen und Schülern saßen dort auch getaufte und ungetaufte Jugendliche sowie mehrere muslimische Schülerinnen und Schüler. Gemeinsam war ihnen allen die Motivation, mehr über Glauben, über Gott und über religiöse Perspektiven zu lernen.
Da Weihbischof Schepers innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz unter anderem für Fragen der Queerpastoral zuständig ist, lag ein Schwerpunkt der Diskussion auf diesem Themenfeld. Die Schülerinnen und Schüler stellten kritische Fragen zu unterschiedlichen Positionen innerhalb der katholischen Kirche, etwa zu Unterschieden zwischen dem Weltkatechismus und aktuellen Entwicklungen innerhalb der Deutschen Bischofskonferenz. Weihbischof Schepers berichtete dabei auch von seinen Erfahrungen auf dem Synodalen Weg, insbesondere aus dem Forum „Leben in gelingenden Beziehungen“.
Im Gespräch ging es unter anderem um den Umgang der Kirche mit unterschiedlichen Lebensformen, um Segnungen gleichgeschlechtlicher Paare, um die Rolle der Frau in der katholischen Kirche sowie um die Frage nach Frauen in kirchlichen Leitungsämtern. Auch das Thema Schwangerschaftsabbruch wurde angesprochen. Dabei betonte Weihbischof Schepers die Bedeutung des Schutzes ungeborenen Lebens, verwies jedoch zugleich darauf, dass auch die jeweilige Situation der betroffenen Menschen berücksichtigt werden müsse und dass Verantwortung für Kinder eine Aufgabe der gesamten Gesellschaft sei. In diesem Zusammenhang sprach er auch über die Rolle von Männern und die Notwendigkeit, überkommene Vorstellungen von Männlichkeit kritisch zu hinterfragen.
Die Unterrichtsstunde war geprägt von einer lebhaften, respektvollen und zugleich sehr offenen Diskussion zwischen dem Weihbischof und den Schülerinnen und Schülern.
Zum Abschluss beteten alle gemeinsam das Vaterunser. Anschließend spendete Weihbischof Schepers den Segen. Ein besonderer Moment war schließlich sein Autogramm auf der Pride-Flagge unserer Schule. Sie steht symbolisch dafür, dass an der Karl-Ziegler-Schule alle Menschen willkommen sind und dass Vielfalt, gegenseitiger Respekt und Offenheit zentrale Werte unseres schulischen Zusammenlebens darstellen.